Von Amor gemobbt?

Was will uns Amor damit sagen?

Viele berichten mir: „Ich möchte einen Partner finden, aber wenn ich dann einen gefunden habe, dann klappt es einfach nicht!“

Sie wollen dann wissen: „Warum verliebe ich mich nur immer in den Falschen?“

Ja, warum ist das eigentlich so?


Wir alle wünschen uns den Traumpartner an unsere Seite, oder jemanden, mit dem wir glücklich zusammen sein können. Sei es, weil wir uns z.B. einsam fühlen und wir jemanden suchen, der unsere Sorgen mit uns teilt. Vielleicht sind wir auch der Meinung, dass das Leben zu zweit einfach viel mehr Spaß bringt und lebenswerter sei, und der ein oder andere Pragmatiker mag vielleicht wegen regelmäßigem Sex und Zärtlichkeiten eine Partnerschaft erstrebenswert finden. Es gibt so viele unterschiedliche Glaubenssätze, warum wir uns eine Beziehung wünschen können.

Wenn wir eine Partnerschaft suchen, dann wollen wir uns darin selbst etwas Gutes tun. Es ist ganz eng genommen, zumeist ein rein egoistischer Wunsch. Wir wollen jemanden, der uns einfach glücklich macht! Und dann… verlieben wir uns! Wir sind dann in einem wahrhaft fast wahnsinnigen Hormonrausch. Durch diesen Hormonfilter nehmen wir dann unser Gegenüber wahr und alles ist sooo schön und wir sind sooo glücklich – ja, bis dann die Hormonwelle abflaut und wir früher oder später feststellen: „Das habe ich mir aber anders vorgestellt“, oder auch „schon wieder bin ich verarscht worden“. Oder nach Jahren der Beziehung wird dann der Vorwurf laut: „Du bist nicht mehr der Mensch, den ich damals kennengelernt habe!“

Frauen sowie Männer gehen voller Erwartungen in eine Partnerschaft

Die Frau wünscht sich einen Mann, der beispielsweise verständnisvoll und aufmerksam sein sollte. Ebenso mitteilsam, feinfühlig und romantisch und ein Bild von einem Mann! Dann soll er vielleicht auch noch gleichzeitig die Rolle des perfekten Vaters erfüllen, natürlich kochen können und tierlieb sein. Der handwerkliche Retter schlechthin sowieso! Selbstverständlich auch jederzeit als maskuliner Held und Verführer im Schlafzimmer seine Pflicht erfüllen, mehr oder weniger arbeiten,… und überhaupt! Und zu guter Letzt dann aber bitte auch noch charmant lächelnd den Müll rausbringen!

Ein Mann wünscht sich vielleicht am ehesten eine liebevolle, humorvolle, aber auch starke Frau, die für alle seine Hobbys stets Verständnis zeigt. Bitte auch für jenes, wo er seine dreckige Wäsche überall zu Hause verteilt! Zu taff darf sie aber auch nicht sein, sonst kann sie ja auch alleine in den Wald gehen und Bäume fällen. Als Mutter sollte sie immer für die Kinder und da sein, selbstverständlich aber auch gleichzeitig arbeiten gehen, jedoch nicht zu wenig und zu viel, weil die Pflichten einer Hausfrau ja nicht vernachlässigt werden dürfen! Sie sollte sich und Ihren Körper mögen und am besten auch noch bei der Hausarbeit sexy aussehen. Beim Sex selbstverständlich bitte stets lustvoll schreien und jederzeit willig sein, sowieso immer!

Ja, wir gehen voller Erwartungen in eine Partnerschaft! Und nach der „Hormonwolke Nummer 7“ geht es los mit maßloser Kritik, weil wir zumeist unbewusste überzogene Erwartungen an den Partner stellen, die so kein Mensch, weder Frau noch Mann erfüllen kann! Der Partner soll oftmals als alleiniger Glücksbringer funktionieren. Wir suchen im Außen, was wir in uns selbst nicht finden können. Wir sollten verstehen lernen, dass die Probleme einer Partnerschaft zumeist nicht an dem anderen Partner liegen, sondern in einem selbst. Der Partner hält uns nur den Spiegel vor.

Wir sollten unseren Partner als Ergänzung zu uns selbst verstehen lernen. Wir sollten ihn als fehlenden Part betrachten dürfen, der uns etwas über uns zeigt, an dem wir lernen können, um zu wachsen - Im besten Fall gemeinsam und im glücklichsten, in einer gemeinsamen Zukunft.

„Liebe ist niemals ohne Schmerz“, sagte der Hase und umarmte den Igel

Aber kaum jemand sucht eine Partnerschaft, weil er etwas lernen will, oder? Alles was man in Partnerschaften lernen kann, kann man schließlich auch in anderen Bereichen lernen. In einer Partnerschaft vollzieht sich diese jedoch viel, viel schneller, weil wir uns darin gehen lassen. Wir sind uns nah und dabei sehr verletzbar. Bei einem Streit kritisieren wir unseren Partner und wir versuchen unseren eigenen Schmerz dadurch zu mindern. Klar, wir sind wahre Meister darin unsere Ängste und unseren Schmerz vor uns selbst, aber auch vor unserem Partner zu verstecken, nur damit wir diese ja nicht spüren müssen. Und dafür ist uns jedes Mittel recht. Wir sind da sehr einfallsreich, ja ich möchte sagen, fast bewundernswert kreativ!

Wie sollte es auch in einer schnelllebigen Gesellschaft anders sein oder funktionieren dürfen, als natürlich auch den Schmerz schnell beiseite zu schieben, oder?

Und schnell austauschbar in Zeiten des Internets sind wir allemal. Warum dann überhaupt noch in eine Beziehung groß investieren, wenn wir einfach weitergehen können? Auch Menschen können konsumiert werden. Der nächste Partner wartet beim nächsten Klick schließlich schon auf uns.

Und die uns unbewusst beeinflussenden, fantastischen und idealisierten Filme im Fernsehen, denen wir uns immer wieder aussetzten, sind nicht gerade eine Hilfe dabei, uns zu erklären, wie wir eine glückliche Beziehung finden, geschweige denn führen können; denn seien wir mal ehrlich: So gut wie jeder Film hört genau an der Stelle auf, wo die eigentliche Beziehung erst beginnt.

Glück ist selbstgemacht!

In einer Partnerschaft wollen wir so lange wie möglich das Gefühl des Verliebtseins festhalten. Wir machen Verträge, geben uns Versprechen und wir bleiben aus Angst oftmals lieber in einer Situation die schmerzt und die wir gut kennen, als das Risiko einzugehen glücklich zu werden. Verbunden mit dem erfahrenen und versteckten Schmerz, ist es dann umso schwieriger sich friedlich zu trennen. Da hilft nur gründliches Aufräumen!

Denn haben wir die Dinge an uns aus der letzten Beziehung nicht gelernt, da können wir noch so viele Menschen konsumieren; wir werden höchstwahrscheinlich mit dem nächsten Partner in einer neuen Beziehung wieder vor diesem Muster stehen!

 

Wir erfahren heute immer mehr darüber, wie allein die Art unserer Geburt und sogar schon die pränatale Phase, uns ungemein prägen! Und unbewusst suchen wir in unseren Partnerschaften das, was wir aus unserem Elternhaus kennen, bis wir uns dies bewusst machen und uns davon befreien. Dies kann eine enorme Kraft freisetzen - Für eine erfüllte Partnerschaft, wo wir so sein dürfen, wie wir sind und der Partner so sein darf, wie er ist, um am jeweils anderen wachsen zu können.

Herzliche Grüße
Katharina Wittenberg